Bei Tisch im Mittelalter

Wer glaubt, dass die Menschen im Mittelalter bei Tisch ein noch ungehobeltes, barbarisches Verhalten an den Tag legten, liegt völlig falsch. Auch wenn es natürlich noch keinen echten „Knigge“, gab, (mal davon abgesehen, dass Baron Knigge, auch wenn er immer gern in Bezug auf die Tischsitten erwähnt wird, kaum Tischregeln aufgestellt hat) es existierten durchaus schon diverse Verhaltensregeln, an die sich die Menschen der damaligen Zeiten hielten.

Wie aß man?

Zunächst einmal waren neben der Hand (möglichst gewaschen ;-) ) das Messer und auch der hölzerne Löffel die wichtigsten Werkzeuge. Die Gabel (vom altdeutschen Wort „gabala“ für gegabelter Ast) kam erst viel später hinzu; sie erlebte ihren Durchbruch erst im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert, auch wenn die erste Erwähnung der Gabel als Essgerät schon aus dem Jahr 1023 stammt.
Grund für die Weigerung eine Gabel zu benutzen, gab damals vor allem die Kirche. Sie war der Meinung, Gott hätte dem Menschen Finger gegeben, um alle seine Gaben direkt zu berühren und daher müsse der Mensch auch die Speisen mit der Hand essen. Selbst eine Strafe Gottes bei Nichtbeachtung, galt bei den Kirchenmannen als nicht ausgeschlossen, denn sie hielten die Gabel sogar als Hexen oder Teufelswerkzeug.
Bei der Nahrungszubereitung benutzte man selbstverständlich diese Hilfsmittel, jedoch waren sie beim eigentlichen Essen eher verpönt. Selbst das Messer wurde nur zwischendurch zum Zerkleinern der Nahrung benutzt. Noch im Jahre 1530 verlangt ein Gelehrter in seinem Anstandbuch als „Tischregel“, dass Nahrung entweder mit drei Fingern oder mit Brotstückchen aufzunehmen sei.

Im Mittelalter existierten sogenannte Lehrgedichte, Verse, die den Kindern und Menschen ihrer Zeit verdeutlichen sollten, wie man sich bei Tische zu benehmen hatte.
Allerdings unterschieden sich diese Regeln oftmals sehr; vielmehr kam es darauf an, wo man sich zum Essen befand. Beim einfachen Bauern galten natürlich andere Sitten, als bei Hofe.
Man betete vor und nach dem Essen. Außerdem war das Händewaschen vor dem Essen ein Muss, denn man griff ja mit mehreren Personen in die Schüsseln. Rülpsen oder allzu gieriges Verhalten galt damals schon als unfein; ebenso benutzte man sein Messer nicht als Zahnstocher oder benutzte das Tischtuch zum Hineinschneuzen, obwohl es durchaus gang und gäbe war, dass man sich den Mund am Tischtuch abwischen durfte.

Teller für jede einzelne Person bei Tisch gab es noch nicht. (Außer bei Hofe) Meist aß man gleich aus den Schüsseln, die auf dem Tisch standen. Des weiteren hatte man kleine Holzbrettchen auf denen das Fleisch zerteilt wurde. Im Spätmittelalter jedoch setzte sich der Teller auch in einfacheren Kreisen durch.

Die Essgefäße waren hauptsächlich einfach gehalten und aus Holz. Getränke reichte man aus Holzkübeln oder Zinnkannen. Die gleichen Materialien, die auch für die Trinkgefäße benutzt wurden.
Knochenreste warf man nach dem Essen einfach achtlos hinter sich oder zurück in die Essschüssel auf dem Tisch. Das Essgeschirr wurde zwar nach dem Essen gereinigt, da die Teller und Gefäße meist aus Holz bestanden wurden sie mit der Zeit jedoch trotzdem sehr unansehnlich.

Servietten gab es in dieser Zeit leider nicht; sie wurden erst ab dem 15. Jahrhundert eingeführt, obwohl sie in der Antike schon bekannt waren. Im Mittelalter wurden fettige Finger an der eigenen Kleidung abgewischt und der Mund, an dem eventuell noch Soßenreste hingen, mit der Hand.

Frauen bei Tisch

Auch wenn man es heute nicht mehr für möglich hält: Frauen waren erst am dem 11. Jahrhundert offiziell bei Tisch zugelassen.

Der gute Einfluss, den die Frauen auf die Tischsitten hatten, war definitiv bemerkenswert. Kam es zur Zeit Karls des Großen (768-814) noch zu Toten bei den Essgelagen; dadurch bedingt, dass die Männer dem Wein übermäßig zusprachen und schneller einen handfesten Streit begonnen, der dann in einem blutigen Zweikampf mündete, (mal davon abgesehen, dass es in dieser Zeit noch nicht einmal Teller sondern nur Einbuchtungen in den Tischen gab) ging es später jedoch viel gesitteter zu und die Männer bei Hofe verhielten sich den Frauen gegenüber gesitteter.
Ab diesem Zeitpunkt griff man auch nicht mehr mit der ganzen Hand in die Schüssel mit Nahrung, sondern begnügte sich mit Daumen, Zeige und Mittelfinger. Ein kleiner aber feiner Fortschritt für die Männer. ;-)

Allerdings gab es doch eine Männergruppe die von vornherein darauf bedacht war, es bei Tisch gesitteter zugehen zu lassen. Die Mönche im Kloster. Wahrscheinlich lag es aber eher daran, dass sie auf engstem Raum zusammenlebten und ihre Mitbrüder nicht mit schlechten Tischmanieren brüskieren wollten.

Spätere Benimmregeln aus dem 11. Jahrhundert:

Fange nicht an zu essen, bevor die anderen anfangen.
Stopfe nicht ein zu großes Stück in den Mund.
Trink oder sprich nicht mit vollem Mund.
Kratze Dich nicht am Leib oder Kopf.
Pass auf, dass keine sechsfüßigen Tierchen an Dir herumkrabbeln.
Wisch Dir den Mund ab, wenn Du den Becher nimmst.
Wenn Du niesen oder husten musst, lass allen freien Laut, aber wende Dich ab.
Auch wenn Dir ein Stück Deines Tischnachbarn besonders gefällt, nimm es nicht
weg. (quelle: www.jobware.de/ra/akt/themen/111.html#)

Was aßen die Menschen im Mittelalter?

Während die einfachen Menschen und Bauern vom Land tagtäglich um ihr Leben kämpfen mussten und eine eher karge Mahlzeit wie einen zähen Getreidebrei und Brot zu sich nahmen, ohne Gewürze versteht sich, denn diese waren für einfache Menschen unerschwinglich, hatten es die Reichen und Menschen von Stand durchaus besser.
Sie ernährten sich von Fleisch, Fisch und auch Eintopf. Das Fleisch wurde meistens sehr stark gewürzt. Zum einen konnte so der etwas fade oder auch eigentümliche Geschmack (falls das Fleisch nicht mehr ganz so frisch war) etwas übertüncht werden und zum anderen waren Gewürze aus fremden Ländern natürlich viel länger unterwegs, als es heute der Fall ist und man brauchte eine größere Menge des Gewürzes, da es nicht mehr so intensiv schmeckte, wie vor der Belieferung.
Die meisten Speisen wurden dazu stark gefärbt. Man verwendete dazu zum Beispiel geriebenes Schwarzbrot.
Dazu wurde meistens Gewürzwein gereicht. (beim Adel)

Mittelalterliche Kochrezepte/ Bücher

Hildegard von Bingen - Klosterküche, Verlag: Naumann & Göbel, 128 Seiten, ISBN-13: 978-3625112044

Hans J. Fahrenkamp - Wie man ein teutsches Mannsbild bey Kräften hält, Verlag: Area, ISBN-13: 978-3899962642, 159 Seiten

Jacob Blume - Das Buch von guter Speise, Verlag: Die Werkstatt, ISBN-13: 978-3895334511, 232 Seiten

Maggie Black - Küchengeheimnisse des Mittelalters, Verlag: Flechsig, ISBN-13: 978-3881892407, 143 Seiten

Bücher rund ums Thema

Ernst Schubert - Essen und Trinken im Mittelalter, Verlag: Primus, ISBN-13: 978-3896785787 , 439 Seiten

Bruno Larioux - Tafelfreuden im Mittelalter, Verlag: Bechtermünz, ISBN-13: 978-3828907270, 152 Seiten

Heinz Kischkel - Tannhäusers heimliche Trauer, Verlag: Niemeyer, Tübingen, ISBN-13: 978-3484150805, 332 Seiten

Der Anhang enthält das "Bußlied" und die "Hofzucht" Tannhäusers (13. Jahrhundert), erstmals komplett mit neuhochdeutscher Übersetzung.

 

Quellen- und Bildernachweis

(Text zusammengestellt von NG)

Information Quellen: Wikipedia.de / Portal Mittelalter
Bilder Quellen: wikicommons / Some rights reserved / GNU-Lizenz für freie Dokumentation , wenn nicht anders gekennzeichnet.