Die Geschichte des Kondoms

Heutzutage werden Kondome auch Präservative genannt, aus vulkanisiertem Kautschuk gefertigt und sehen, in ihrer seriösesten Form so aus:

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Natürlich gibt es auch noch weitere Varianten- Farben, Formen und diversen Geschmacksrichtungen sind dabei keine Grenzen gesetzt. ;-)

Doch ganz am Anfang, kam der Mensch auf die Idee Kondome aus Stoff zur Empfängnisverhütung einzusetzen. Wie man sich vorstellen kann, war diesem "Verhüterli" keine große Zukunft beschienen. ;-)

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Die erste Verbesserung stellte sich ein, als man Schafsdärme oder andere tierische Membranen zur Verhütung nutzte. Bereits im 18. Jahrhundert waren sie bekannt und kein geringerer als Casanova verwendete sie für seine (angeblich) zahlreichen amourösen Abenteuer.

Man bezeichnete dieses Kondom umgangssprachlich als "English Overcoat" oder auch "English riding coat" (Englischer Reitmantel) und obwohl die Därme erheblich sicherer waren als die nutzlosen "Stoffüberzieher" und auch nebenbei vor gefürchteten Geschlechtskrankheiten wie Syphilis schützten, sollte doch erst viele Jahrzehnte später ein echter Durchbruch gelingen und besonders einen Mann in den Vordergrund rücken, der als Vater der ersten "nahtlosen" Kondome gilt- Julius Fromm.

Doch bevor Julius Fromm mit seiner Erfindung reich und berühmt werden sollte, muss man zunächst die revolutionäre Entdeckung von Charles Goodyear, der viele Jahre damit zubrachte, herauszufinden, wie man Kautschuk vulkanisiert, hervorheben, denn ohne den erfolgreich Vulkanisierungsprozess, wäre auch Julius Fromm kein Erfolg beschieden gewesen.

Dieser Vorgang gelang Goodyear im Jahre 1835. Somit war es nun möglich die Form des Gummis zu verändern, es weicher, wasserfest, wärme und kälteresistent und vor allem bruchsicher herzustellen. Im Jahre 1855 erschien das erste, zwei Millimeter dicke Kondom, noch mit Naht, hergestellt in der Goodyearschen Fabrik und ging in Serie.

Genau diese Naht gab Julius Fromm zu denken. Und nach reicher Forschungsarbeit gelang ihm im Jahre 1912 ein Geniestreich! Er tauchte einen Glaskolben in eine Gummilösung und voila, das erste Kondom ohne störende Naht war geboren!
Der Siegeszug des Kondoms war nicht mehr aufzuhalten- allerdings benutzte man bereits ab den 30er Jahren nur noch Latex als Ausgangsstoff für Kondome.

Doch wer waren diese beiden so wichtigen Männer der Geschichte hinter denen sich auch ganz unterschiedliche Schicksale verbergen?

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Charles Goodyear (* 29. Dezember 1800 in New Haven, Connecticut; † 1. Juli 1860 in New York) war in erster Linie Chemiker und Erfinder.

Seinem fast bis zur Besessenheit grenzenden Forschungsdrang haben wir es heute zu verdanken, dass es Hartgummi gibt. Obwohl ihm nach vielen Fehlschlägen die Vulkanisierung von Kautschuk gelang und er trotz einiger Querelen mit seinem Mitkonkurrenten Horace Day, der Goodyears Erfindung als die Seine ausgeben wollte, sein Patent am 15. Juni 1844 anmelden konnte- reich wurde er dennoch nie dadurch.

Ganz im Gegenteil! Seine Forschungsarbeit stürzte ihn und seine Familie mehrfach in große Schulden. Besonders tragisch war es, als sein Sohn schwer erkrankte und er kein Geld für die rettende Medizin aufbringen konnte. Goodyear wurde zur ersten Weltausstellung im Jahre 1851 nach London eingeladen, wo er Möbel und andere Haushaltsgegenstände aus Gummi ausstellte.

Trotz der Herstellung von Gummihandschuhen und später auch den ersten Kondomen blieb er bis zu seinem Tode arm, da er trotz seiner wissenschaftlichen Intelligenz keinen Sinn für das Geschäftliche hatte.

Er starb kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag an den Folgen einer schleichenden Bleivergiftung, die man als Berufskrankheit ansehen kann, da er viele Jahrzehnte mit Bleioxiden experimentiert hatte.

Goodyear zu Ehren nannten knapp dreißig Jahre später die beiden deutschen Einwanderer Frank und Charles Seiberling ihre neugegründete Firma für ReifenGoodyear Tire & Rubber Company.

Julius Fromm (* 4. März 1883 in Konin; † 12. Mai 1945 in London, Geburtsname: Israel Fromm) war ein Gummifabrikant, dem es gelang das erste Qualitätskondom ohne störende Naht auf den Markt zu bringen.

Seine Eltern stammten aus ärmlichen Verhältnissen und zogen mit ihren Kindern schließlich im Jahre 1893 nach Berlin, wo sie sich mit Zigarettenherstellung und Verkauf finanziell über Wasser hielten. Nachdem die Eltern früh verstarben, kümmerte sich Julius um seine Geschwister und studierte in Abendkursen Chemie. 1906 heiratete Fromm seine Verlobte, die im Laufe der Zeit drei Kinder von ihm bekam.

Bereits 1912 gelang es Fromm sich selbstständig zu machen. 1914 gründete er im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg sein Fabrikations- und Verkaufsgeschäft für Parfümerie und Gummiwaren. Ihm gelang ein großer Fortschritt, als er das nahtlose Kondom aus Naturkautschuk erfand. Zunächst wurde seine Erfindung über Drogerien verkauft und fand reißenden Absatz auch wenn man Kondome in dieser Zeit noch nicht öffentlich bewerben durfte.1916 erschien dann das erste Markenkondom, genannt "Fromms Act" (Schutzmarke).

Der Siegeszug des neuen, sichereren Verhütungsmittels war nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1919 wurden täglich 150.000 Kondome hergestellt. Recht amüsante zweideutige Werbeslogans wie etwa "Ich bin ganz Fromms - zum Platzen gespannt," oder auch „Wenn’s euch packt, nehmt Fromms Act“, enstanden und jeder wusste sofort, was damit gemeint war. ;-)

1922 wurde eine weitere Fabrik in Berlin-Friedrichshagen gebaut und Julius Fromm wurde reich. Doch dann traf ihn das Schicksal sehr hart, als der Nationalsozialismus in Deutschland einzog. Er schaffte aus Sicherheitsgründen seine Söhne ins Ausland, da er jüdische Wurzeln hatte, glaubte jedoch, ihm drohe keine unmittelbare Gefahr. So führte er zunächst seinen Betrieb weiter, verbesserte seine Kondome durch diverse Zutaten stetig und bewarb seine Produkte während der Olympischen Sommerspiele im Jahre 1936 sehr offen.

1934 geriet er jedoch trotz aller Bemühungen ins Visier der Nationalsozialisten, die ein betriebswirtschaftliches Verfahren einleiteten, das Fromms Entziehung der Staatsbürgerschaft zur Folge haben sollte. Dieses Vorhaben scheiterte, doch dann wurden Fromm und andere Geschäftsleute mit jüdischen Wurzeln; Opfer einer Hetzkampagne, ausgeführt durch eine antisemitische Zeitung.

Fromm begann zu handeln. Er wollte seine Firma verkaufen. Doch die Nationalsozialisten bzw. das Reichwirtschaftsministerium vereitelte dieses Vorhaben. Hermann Göring, einer der führenden Nazis hatte großes Interesse an Fromms Firma, da er sie im Tausch gegen zwei Burgen, die seine Tante Elisabeth Edle von Epenstein-Mauternburg besaß, anbieten wollte. So ging Fromms Imperium schließlich für nur 200.000 Schweizer Franken (118.000 Reichsmark) an Görings Patentante.

Fromm zog es mit seiner Familie nach London. Als der Krieg zu Ende war, plante Fromm eine Rückkehr, doch die Aufregung war zuviel für ihn. Nur vier Tage nach Kriegsende, verstarb er im Alter von 62 Jahren plötzlich und unerwartet.

Sein Bruder Siegmund setzte sich an Julius Statt dafür ein, das Unternehmen zurückzubekommen. Doch die Sowjetunion, die diesen Bereich Berlins besetzt hatte, weigerte sich. Auch ein weiterer Antrag der Erben Fromms auf Rückübereignung wurde 1951 abgelehnt. 1947 gelang es jedoch Julius Fromms Sohn Herbert, die Rechte am Markennamen Fromms von einem Vetter Görings zurückzukaufen und so schloss er zwei Jahre später mit der Bremer Hanseatische Gummiwarenfabrik einen Lizenzvertrag ab.
Und seitdem werden wieder "Fromms" Kondome hergestellt...

 

Quellennachweis

(Dieser Text wurde von AS zusammengestellt)

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