Historische schottische Kleidung

Plaid, Tartan und Kilt

Lange habe ich die Begriffe: Plaid, Tartan und Kilt durcheinander gebracht: Ich sagte Tartan wenn ich Kilt meinte, und Plaid wenn ich an Tartan dachte usw. Hier findet ihr eine kurze Erklärung der Begriffe.

Plaid
Als Plaid (schott.: Decke) bezeichnet man relativ dünne, häufig gemusterte Wolldecken. Hochwertige Plaids, meist aus Schafswolle, sind allerdings so komfortabel, dass man darin eingerollt sogar im schottischen Hochlandwinter eine warme Nacht haben kann.

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Photo © by James F. Perry

Belted Plaid
Der Belted Plaid stellt die Vorform des schottischen Kilts dar. Erste Erwähnungen findet der Belted Plaid Ende des 16. Jahrhunderts. Er besteht aus einer 1,5 m breiten, 4-6 m langen Stoffbahn, die beim Anlegen gefaltet und um den Körper "gelegt" wird.

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Tartan
Ein Tartan ist ein spezielles Webmuster für Stoffe. Das für Tartans typische Karomuster entsteht beim Weben durch Verwendung von unterschiedlich farbigen Fäden. Historisch gesehen gibt es keine Zuordnung verschiedener Tartans zu bestimmten Clans. Die Unterschiede in der Gestaltung und Farbgebung hatten rein handwerkliche bzw. geographische Gründe. Man färbte die Stoffe mit Pflanzen, die man in seiner direkten Umgebung fand und jeder Weber überlieferte die Traditionen und Techniken, die er auch schon von seinem Vater lernte.

Über die ca. 600 Tartans die es heute gibt (so viele Clans hat es zu keinem Zeitpunkt der Geschichte gegeben!) wacht die Highland Society of London. Bestimmte Tartans bestimmten Clans zuzuordnen ist eine relativ moderne Erfindung und hat also eine eher kurze Tradition.

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Photo links © by Ralph Stieber

Kilt
Den Kilt mit dem typischen, unglaublich vielfältigen, Tartan-Muster, gilt zwar als das typische schottische Kleidungsstück schlechthin, wurde aber erst Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Engländer 'geschneidert' und dann vom englischen Adel salonfähig gemacht.

Frühzeit bis ca. 1600

In diesem Zeitraum trug man ein léine (irischer Herkunft = einfach geschnittenes Hemd, in verschiedenen Längen getragen), das mit oder auch ohne ein brat getragen wurde. Das brat war ein rechteckiges Stück Stoff, welches man um den Körper schlang und auf der Brust oder der Schulter mit einer Brosche befestigte. Auch konnte es unter dem Schwertarm hindurch geführt werden, um eine bessere Beweglichkeit für den Träger des brat zu erzielen.
Länge, Farbe und Qualität des Stoffes, wie auch der Broschen, variierte nach Gelegenheit und Ansehen und Reichtum des Trägers.

Auch Frauen trugen diese Art der Kleidung.

1600 bis 1725

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Ab ca. 1600 verschwand das léine und brat in der herkömmlichen Form vollkommen und der belted plaid, schottisch = breacán filleadh, kam auf. Der plaid oder cloak (Mantel) wurde mit langen Nadeln oder Broschen zusammen gesteckt, gewickelt oder gefaltet. Eine auffällige Veränderung war, dass der Gürtel (vorher nur auf dem léine unter dem brat ) nun über dem plaid getragen wurde, um ihn auf der Hüfte festzuhalten.

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Bild Tam 'O' Shanters

Anfang des 17. Jahrhunderts begann man zum belted plaid Strümpfe, Schuhe, einen bonnet, eine barrettähnliche Kappe oder einen tam o'shanter zu tragen.

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Frauen trugen ebenfalls einen plaid arasaid genannt. Ihr plaid war feiner, seine Farben freundlicher und er war länger als der der Männer. So waren sie bis zu den Füßen bedeckt und konnten den Plaid auch als Schleier über dem Kopf tragen.

18. Jahrhundert – bis Heute

1725 entwickelte der englische Fabrikbesitzer Thomas Rawlinson den Kilt. Er hielt die voluminösen plaids, wohl zurecht, als zu gefährlich für seine schottischen Fabrikarbeiter und kürzte das Material ab der Hüfte aufwärts – der Kilt war geboren. Die Schotten nannten es feileadh beag (kleines Wickeltuch) um es vom feileadh mór (großes Wickeltuch, belted plaid) zu unterscheiden.

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Über den Rücken drapierte sich die Schottin ein rechteckiges Tartanstück, das „tonnag“. Außerdem trugen sie ein Kopftuch aus Leinen, das „curraichd“.
Wie bei den Männern auch, wurde die Kleidung mit Broschen oder Spangen fixiert.

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Photo © by Ralph Stieber

Heute gehört zur traditionellen schottischen Tracht, neben dem Kilt, dem Bonnet, mit einem Emblem aus Metall Cap Badge, das das Clanwappen und -motto des Trägers zeigt, ein Jacket und eine Weste, Gürtel mit Gürtelschnalle aus Metall, einen Sporran, ein Beutel aus Leder oder Fell, der als Geldbeutel dient, da der Kilt keine Taschen hat, und auf der Vorderseite des Kilt herunterhängt, Kilt Hose (schwere, knielange Wollstrümpfe, die unter dem Knie gefaltet werden), Flashes (Kleine, bunte Stückchen Stoff, die in den Umschlag der Kilt Hose gesteckt werden), Sgian Dubh (Dolch der in einen Strumpf gesteckt wird) und Gillie Brogues (Halbschuhe, deren Schnürsenkel um die Waden geschlungen und festgebunden werden).

Fehlerhaft

Der Film “Braveheart” ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man nie einer Hollywood Geschichtsstunde trauen soll ;-). Anscheinend war die historische Kleidung des 13. Jahrhunderts den Filmemachern nicht „spektakulär“ genug und so kleideten sie den Held William Wallace in ein Kleidungsstück, das einen belted plaid darstellen soll.

1. Gab es zurzeit William Wallace den belted plaid noch gar nicht! Er wurde nicht vor 1600 in Schottland getragen.
2. Wickelt man sich im “Braveheart-Kilt-Style” in ein entsprechendes plaid, so wird man nicht glücklich damit werden, beeinträchtigt dieser „Kilt-Style“ doch in großem Umfang die Bewegungsfreiheit. Zudem bräuchte es rund um die Uhr eine Garderobiere, die dafür sorgt das alles dort bleibt wo es soll.

Gegen diese Fehler sind die die geschichtlichen Fauxpas fast nicht mehr erwähnenswert, wie z.B. die Tatsache, dass William Wallace keinesfalls, dem im Film dargestellten, bäuerlichen Verhältnissen entstammte oder das der damals noch ungekrönte Robert Bruce im Film als „Earl of Bruce“ bezeichnet wird, in Wirklichkeit war er der Earl of Carrick usw.

 

Quellen- und Bildernachweis

(Text zusammengestellt von AS)

Information Quellen: Ein Teil der Texte oder Textauszüge aus der Wikipedia entnommen.
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Photos: © Ralph Stieber